Werkstatement
Eva-Maria Manner

Michaela Bruckmüller generiert ihre fotografischen Arbeiten aus dem Kontext vorwiegend philosophischer Literatur.
Titel und Inhalt ihres aktuelles Werkzyklus VANITAS VANITATUM rekurrieren auf alttestamentarische und Aristotelische Zitate über das Werden und Vergehen, die sie in diverse Pflanzenbilder ästhetisch und äußerst subtil transponiert. Die Künstlerin legt ihre fotografischen Reihen als transformativen Prozess an, entnimmt die Sujets ihrer natürlichen Umgebung und interpretiert sie neu. Das verfremdende, ortlose und stark kontrastierende Schwarz des Hintergrunds, das im Oeuvre der Künstlerin seit ihren  Nachtaufnahmen 2006 virulent auftritt, ermöglicht das Visualisieren feinster Details und seziert Vergänglichkeiten. Zudem potenziert eine permanente Reduktion des Bildmotivs – wie  in sub rosa. (unter dem Siegel der Verschwiegenheit) – dieses „Verlorengehen“ und endet im Nichts, das paradoxerweise in der Natur aufgrund des immerwährenden biologischen Kreislaufes nicht existent ist.

 

Mit Akribie und Gespür für das Wesentliche forscht Michaela Bruckmüller Zustände von Pflanzen (..sollst sanft in meinen Armen schlafen.., 2015; Fiktion, 2006-08)), Tieren (vor dem Anfang war die Nacht, 2010-11), Dingen (vom Gehen, 2009), Orten (Drassburg Blues, 2009; Zimmer frei, 2004) und Menschen (Sacre Coeur, 2004; ora et labora, 2000) aus. Sie untersucht existentielle, bipolare Thematiken wie Tod, Dunkelheit, Abwesenheit, Verlassenheit, Vergangenheit etc. ohne beim Rezipienten negative Konnotationen auszulösen.

Michaela Bruckmüllers meisterhaft diskursiv inszenierte Bildprotagonisten stehen pars pro toto für ein fotografisches Oeuvre, das auf sinnliche Wahrnehmungen abzielt, die aber letztendlich als visuelle, philosophische Fragenstellungen zu lesen sind.

Eva-Maria Manner / 2017