Radix

2020

Fotografie / Fine art print / 24 x 33 cm / Objekte, Fotos, Stoff genäht / Holzbox / Auflage 5 +2AP

Die Arbeit am vorliegenden Projekt lebt unter anderem von der Reichhaltigkeit organischem Pflanzenmaterials. Das jeweilige Arbeitsumfeld verändert die Wahrnehmung maßgeblich und greift unterbewusst stark in den Schaffensprozess ein.

Künstlerischer Fokus:
„Was wir als tiefste Schwärze erleben, lauert in uns selbst. Es ist die Urangst vor der fremden Finsternis, in der wir uns dereinst den Nachttieren und sonstigen unheimlichen Wesen unterlegen und ausgeliefert fühlten.“(1) Die Idee zum geplanten Arbeitsvorhaben „Radix“ entstand im Herbst 2019 bei der Beobachtung von Pflanzen und deren Verankerung im Boden. Faszinierend war dabei für mich die Beharrlichkeit, mit der die äußerst filigranen und sensiblen Feinwurzeln auch durch härteste Böden sich ihrem Ziel – den Nährstoffen – nähern, um das Überleben des gesamten Organismus zu sichern.
Diese Beharrlichkeit ist auch in der Ausnahmesituation im Frühjahr 2020 (Covid 19), in der die Existenzangst ein dominierendes Thema ist, eine unabdingbare Überlebensnotwendigkeit.
In diesem Sinne wären die Wurzeln als eine Art Fetisch zu betrachten, dessen Attribut der Beharrlichkeit durch die fotografische Konservierung und Darstellung zugänglich gemacht wird. Die Wurzeln als Synonym der Versorgung, dass die Aufrechterhaltung eines Systems garantiert. „Der Fetisch ist ein kostbarer Schatz der Bedeutsamkeit in einer von Angst, Werteverlust und Sinnlosigkeit erfüllten Welt.“(2)

Technik:
Es sollen Fotos von Wurzeln entstehen, von solchen die ausgegraben wurden oder Wurzelausläufer, die sich überirdisch befinden. Die Aufnahmen zu diesem Projekt entstehen in meiner mobilen Camera obscura auf alten Flachbettscannern eines bestimmten Typus aus dem Jahr 2000. An die Bilder der anthropomorphen Wurzeln sollen im Stile sakraler Objekte Stoffkleider, Goldborten, Perlenkronen etc. genäht werden – in optischer Anlehnung an christliche Reliquiendarstellunegn (z.B. Santo Bambino) oder in der Präsentation westafrikanischer Fetischobjekte. Aus ihrem ursprünglichen Kontext isoliert, sollen die Objekte damit mit neuer Bedeutung aufgeladen und in einer Art modernen Wunderkammer dargestellt werden. Die Fotos werden als Fine art prints in tiefen Holzboxen (oder Totenladen, ähnlich der Aufbewahrung des Alraunen Paares aus der Wunderkammmer Rudolph II) präsentiert.

1) Harald Haarmann: Schwarz – eine kleine Kulturgeschichte, Frankfurt 2005, 1. Auflage, S. 30

2) Johannes Endres: Fetischismus – Grundlagentexte vom 18. Jhdt bis in die Gegenwart, Suhrkamp Verlag Berlin 2017, 1. Auflage, S. 22

Radix

2020

Photography / Fine art print / Objects, Photos, fabric sewn / Wood box / Edition 5 +2AP

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