Ora et labora

2000

Analoge Grossformatfotografie / c-prints auf Dibond / 100x80 cm / Auflage 5+ 2AP

Im Zuge des Projektes entstanden 8 Ganzkörperporträts, stehend oder sitzend.

Die fotografierten Personen haben den Ort der Aufnahme selbst gewählt.

 

Die Bezeichnung Pfarrhaushälterin (früher Pfarrersköchin) stammt noch aus einer Zeit, als die meisten Landpfarrer auch Landwirte waren und neben anderem Gesinde auch eine Köchin angestellt hatten, die die Rolle der Hausfrau einnahm.

Dadurch ergab sich eine Reihe von Spekulationen rund um diese Figur.

Mittlerweile gibt es eine landesweite Interessensvertretung und die ehemaligen Köchinnen der Pfarrer sind gut organisiert und vernetzt, betreiben Homepages, schreiben großteils die Predigten und besuchen Weiterbildungen, veranstalten Tagungen und sind sozial engagiert.

 

Für mich ergab sich dadurch ein vielschichtiges Bild - einerseits die legendären Geschichten der Frauen mit unehelichen Kindern, die im Pfarrhof aufwachsen - andererseits vielseitig interessierte Frauen, die diesen Beruf wie jeden anderen auch ausüben und es nicht als Berufung sehen.

Mit diesen Vorgaben habe ich die von mir ausgewählten Frauen in ihren Häusern besucht und das Projekt mit einer Großformatkamera umgesetzt, um all die Schichten so real wie möglich darzustellen.

Bei der Auswahl der Frauen habe ich mich deren Verfügbarkeit angepasst und mich bei einer Tagung des Berufsstandes in Linz vorgestellt. Daraus ergaben sich die Kontakte.

 

Die Aufnahmen wirken insgesamt ziemlich gestellt – was durch das Arbeiten mit der Großformatkamera noch unterstrichen wird.

Der Effekt spiegelt für mich die Erfahrungen wieder, die ich mit den fotografierten Frauen gemacht habe – trotz aller Vielschichtigkeit bleibt der Nachgeschmack eines starren Systems, in dem die Frauen einen sehr genau definierten Wirkungsgrad haben.

 

„Die Arbeiten von Michaela Bruckmüller sind oft in Serien angelegt: Porträts von Roma aus verschiedenen Ländern Europas, "Körperkult"-Zelebrierende in Caorle, oder Nachbarn, die sich über Zeitungsinserate gemeldet haben. Auch ORA ET LABORA, Pfarrersköchinnen aus Oberösterreich, zeichnet einen Bogen. Die Fotografien überschreiten das einfache Porträt um letztlich mit größerer Intensität zurückzukehren. Aufnahmen, denen immer schon etwas vorangegangen ist. Kommunikation, die sich erst auf den zweiten Blick in ihrer Verdichtung erschließt. Im Gestus manchmal fast kühl oder eher eine ganz spezielle Nähe, die von weit her zurückschaut.“

Marion Steiner

Ora et labora

2000

Analogues large format Photography / c-prints on Dibond / 100x80 cm / Edition 5+ 2AP

In the course of the Project 8 full body portraits, standing or sitting were created.

The participants (upper austrian clergyman's wife) were photographed at a location of their own choosing.

 

The designation Pfarrhaushälterin (clergyman's wife), in former times also Pfarrersköchin (clergyman's cook), stems from a time where most rural priests were also farmers, employing a cook besides other staff. The cook, who was always a woman, took the role of a house wife.

Naturally, this gave way to a range of speculations around this figure. Nowadays there are countrywide interest groups and the former clergyman’s wives are now well organized and linked, having their own homepages, writing large parts of the sermons, participating in continuing education, organizing conferences and serving the community.

 

For me, this showed a complex picture – on the one hand the legends of women with illegitimate children who grow up on the parish – and on the other hand committed, open minded women who execute their job like any other, not seeing it as a vocation.

Using this question at hand, I visited selected women in their houses, and photographed them using a large format camera, to display all layers as real as possible.

The contacts were made during a professional conference where I presented myself. The women were selected based on their availability.

 

In general, the images appear posed, which is emphasized by the images created by the large format camera. This effect  mirrors my experience which I have made with the photographed women – despite their complexity there remains an aftertaste of a rigid system where the women have a very narrowly defined sphere of action.